Der Carl Laemmle VFF Talentpreis 2026 geht an Paulina Lorenz, Jorgo Narjes und Faraz Shariat. Mit dieser Auszeichnung wird die herausragende Leistung aufstrebender Produzent:innenpersönlichkeiten gewürdigt, die in besonderer Weise unternehmerische Verantwortung, künstlerische Vision und nachhaltiges Produzieren vereint. Der Preis, gestiftet von der VFF und dotiert mit 15.000 Euro, unterstreicht die Bedeutung junger Produzent:innen für die Zukunft der deutschen Film- und Fernsehbranche und hebt deren entscheidenden Beitrag für kreative Vielfalt und wirtschaftliche Innovation hervor.
© Thomas Niedermüller / Getty Images for Carl Laemmle Produzentenpreis UG
STAATSSCHUTZ
Spielfilm, 113 Minuten
Jünglinge Film GmbH
Mit staatlichen Mitteln und staatlicher Autorität – so will junge Staatsanwältin Seyo Kim rechter Gewalt in Ostdeutschland entgegentreten. Als sie selbst ins Visier gerät und einen rassistischen Anschlag überlebt, entscheidet sie sich entgegen der ausdrücklichen Weisung ihrer Behörde in eigener Sache zu ermitteln. Es gelingt ihr, einen der Täter vor Gericht zu bringen. Mit Nachdruck geht sie daran, ihn als Teil eines rechten Netzwerks zu enttarnen. Sie gräbt tief in Archiven, rollt alte „Einzelfälle“ auf und lässt scheinbar harmlose Zeugen ins Messer laufen. Die deutsche Staatsanwaltschaft umweht der Mythos der „objektivsten Behörde der Welt“. Doch während ihres Gerichtsprozesses erlebt Seyo am eigenen Leib, was es bedeutet, den Kampf für Gerechtigkeit in einem Staat zu führen, der mit zweierlei Maß misst und rechte Gewalt nicht nur verharmlost, sondern mitunter deckt.
Jurybegründung zur Auszeichnung:
Mit STAATSSCHUTZ zeigen Paulina Lorenz, Jorgo Narjes und Faraz Shariat, was es heißt, als Produzent:innen Verantwortung zu übernehmen – wirtschaftlich, künstlerisch und gesellschaftlich zugleich. Für die junge unabhängige Produktionsfirma JÜNGLINGE FILM ist STAATSSCHUTZ das bislang größte und komplexeste Projekt ihrer Firmengeschichte. Mit einem Budget von 3,9 Millionen Euro, einer Finanzierung, die innerhalb von nur zehn Monaten stand und der Entscheidung, einen politischen Justizthriller mit einer jungen BiPoC-Protagonistin für ein breites Kinopublikum zu produzieren und die Hauptrolle mit Newcomerin Chen Emilie Yan zu besetzen, übernahmen die Produzent:innen ein erhebliches unternehmerisches und kreatives Risiko. Doch die eigentliche Leistung liegt nicht nur darin, diesen ambitionierten Film finanziert und realisiert zu haben. Die Produzent:innen schufen Produktionsbedingungen, die die Haltung des Films konsequent widerspiegeln: mit einem umfassenden Sicherheits- und Awareness-Konzept, einem diversen und entscheidungsrelevant eingebundenen Team, nachhaltigen Produktionsstrategien und elf Job-Shadowings, die jungen Filmschaffenden konkrete Zugänge in unterschiedliche Gewerke der Branche eröffneten. Bei einem Film, der von institutionellem Rassismus, rechter Gewalt und gesellschaftlicher Einschüchterung erzählt, endet die Verantwortung der Produktion nicht vor der Kamera. Paulina Lorenz, Jorgo Narjes und Faraz Shariat haben zusätzliche Zeit und Ressourcen in Teilhabe, Sicherheit und eine diskriminierungssensible Produktionskultur investiert – auch dort, wo diese Aspekte unter wirtschaftlichem Druck leicht hätten zurückgestellt werden können. STAATSSCHUTZ will gesellschaftlich relevantes Kino nicht in der Nische belassen. Die Produzent:innen verbinden politische Dringlichkeit mit der Zugänglichkeit eines Genrefilms und einer klaren Auswertungsstrategie. Kino, internationale Verwertung sowie Diskussions- und Bildungsformate werden dabei von Anfang an zusammengedacht. Für die Jury zeigt sich darin, was Produzieren heute bedeuten kann: für eine Geschichte einzustehen, Risiken zu übernehmen und Verantwortung zu tragen. Für die Menschen, für die Gesellschaft und für die Bedingungen, unter denen ein Film entsteht. Für diese Haltung zeichnet die Jury Paulina Lorenz, Jorgo Narjes und Faraz Shariat mit dem Carl Laemmle VFF Talentpreis aus.